Ihre Augen sind gerötet, trocken, gereizt und neigen zu Entzündungen? Dann kann der Augentrost Ihnen helfen.
Augentrost gilt seit Jahrhunderten als Pflanze für gereizte Augen. Doch was ist wirklich belegt – und was sollten Sie bei der Anwendung beachten?
Schon der Name verrät, wofür der Echte Augentrost traditionell verwendet wird: bei gereizten, geröteten oder tränenden Augen. Auch heute gibt es in Apotheken verschiedene Präparate mit Augentrost, häufig unter dem botanischen Namen Euphrasia.
Doch eine lange Tradition bedeutet nicht automatisch, dass eine Wirkung auch wissenschaftlich eindeutig nachgewiesen ist. Gerade bei Beschwerden am Auge ist außerdem besondere Vorsicht wichtig. Selbst zubereiteter Augentrost-Tee gehört zum Beispiel nicht ins Auge. Erfahren Sie mehr: Was steckt in der Heilpflanze? Was weiß man über ihre Wirkung? Welche Präparate gibt es – und wann sollten Augenbeschwerden besser ärztlich untersucht werden?
Gut beraten
Nicht jedes gerötete Auge sollte automatisch mit Augentrost behandelt werden. Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke individuelle beraten.
Was ist Echter Augentrost?
Der Echte Augentrost trägt den botanischen Namen Euphrasia officinalis L. Er gehört zur Familie der Sommerwurzgewächse. In älteren Büchern und Pflanzenführern wird er manchmal noch einer anderen Pflanzenfamilie zugeordnet. Das liegt daran, dass die botanische Einteilung im Laufe der Zeit verändert wurde.
Innerhalb der Gattung Euphrasia gibt es zahlreiche Arten, die sich teilweise nur schwer voneinander unterscheiden lassen. Deshalb finden sich in älteren Quellen auch unterschiedliche botanische Bezeichnungen.
Für medizinische Zwecke wird vor allem das sogenannte Augentrostkraut verwendet. Gemeint sind die getrockneten oberirdischen Pflanzenteile während der Blüte, also Stängel, Blätter und Blüten.
Der Echte Augentrost ist eine eher kleine, einjährige Pflanze. Typisch sind die weißen bis leicht violetten Blüten mit dunkleren Linien und einem gelben Fleck. Auch in Deutschland kommt die Heilpflanze vor. Laut Roter Liste gilt Euphrasia officinalis hierzulande als gefährdet. Augentrost sollte man daher nicht selbst in der Natur sammeln.
Warum heißt die Pflanze eigentlich Augentrost?
Der Name hängt eng mit der traditionellen Verwendung zusammen. Schon seit Jahrhunderten wurde Augentrost in der Volksmedizin bei Beschwerden rund um das Auge eingesetzt.
Früher bereitete man aus dem Kraut zum Beispiel Aufgüsse für Augenwaschungen oder Umschläge zu. Eingesetzt wurden diese unter anderem bei geröteten oder gereizten Augen, bei tränenden Augen oder bei Beschwerden am Lidrand.
Auch das Aussehen der Blüte dürfte zur Bekanntheit als „Augenpflanze“ beigetragen haben. Die feinen violetten Linien und der gelbe Fleck wurden früher mit Strukturen des menschlichen Auges verglichen.
Wichtig: Eine traditionelle Anwendung ist zunächst einmal noch kein Beweis dafür, dass ein Mittel nach modernen wissenschaftlichen Maßstäben sicher und zuverlässig wirkt.
Welche Inhaltsstoffe stecken in Augentrost?
Augentrost enthält verschiedene pflanzliche Inhaltsstoffe. Dazu gehören unter anderem:
- Iridoidglykoside wie Aucubin und Catalpol,
- Flavonoide,
- Phenolcarbonsäuren,
- Gerbstoffe,
- weitere sekundäre Pflanzenstoffe.
Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um Stoffe, die Pflanzen beispielsweise zum Schutz vor schädlichen Umwelteinflüssen, Krankheitserregern oder Fraßfeinden bilden.
Einige Inhaltsstoffe von Augentrost zeigen in Laboruntersuchungen antioxidative, entzündungshemmende oder antimikrobielle Eigenschaften. „Antioxidativ“ bedeutet, dass bestimmte aggressive Sauerstoffverbindungen abgefangen werden können. „Antimikrobiell“ bedeutet, dass das Wachstum bestimmter Mikroorganismen gehemmt werden kann.
Solche Laborergebnisse sind interessant. Sie zeigen aber noch nicht, dass Augentrost beim Menschen eine Augenentzündung zuverlässig behandeln kann, denn Ergebnisse aus Zell- oder Laborversuchen lassen sich nicht automatisch auf die Behandlung von Patienten übertragen.
Hilft Augentrost wirklich bei Augenbeschwerden?
Die wissenschaftliche Datenlage ist bisher begrenzt.
Eine häufig zitierte Untersuchung aus dem Jahr 2000 beobachtete 65 Menschen mit einer Bindehautentzündung, die Euphrasia-Augentropfen erhielten. Bei 53 Personen, also rund 82 Prozent, waren die Beschwerden nach der Behandlung vollständig abgeklungen. Bei weiteren 11 Personen trat eine deutliche Besserung ein.
Das klingt zunächst überzeugend. Die Studie hatte allerdings einen wichtigen Nachteil: Es gab keine Kontrollgruppe. Dadurch lässt sich nicht sicher sagen, ob die Beschwerden wegen der Augentropfen oder möglicherweise auch ohne diese Behandlung abgeklungen wären. Das ist gerade bei einer unkomplizierten Bindehautentzündung wichtig, denn viele Formen können von selbst wieder verschwinden.
Eine methodisch bessere Untersuchung wurde im Jahr 2020 veröffentlicht. Dabei wurden 84 Frühgeborene mit Augensekret untersucht. Die eine Gruppe erhielt Euphrasia-Augentropfen, die andere Kochsalzlösung. In der Euphrasia-Gruppe erreichten 55 Prozent der Kinder das festgelegte Behandlungsziel. In der Gruppe mit Kochsalzlösung waren es etwa 51 Prozent. Dieser Unterschied war statistisch nicht eindeutig.
Auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat sich mit Augentrost beschäftigt. Innerhalb der EMA bewertet der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) pflanzliche Arzneistoffe und deren traditionelle oder medizinisch belegte Anwendung. Für Augentrost kam der Ausschuss zu einem zurückhaltenden Ergebnis: Die vorhandenen Daten reichen nicht aus, um eine ausreichende Wirksamkeit und Sicherheit nach modernen Maßstäben zu bestätigen.
Besonders kritisch beurteilt die EMA selbst hergestellte wässrige Zubereitungen, die direkt am Auge angewendet werden. Der wichtigste Grund dafür ist die fehlende Sterilität.
Fazit: Augentrost hat eine lange Tradition und enthält interessante pflanzliche Stoffe. Ein sicherer wissenschaftlicher Nachweis dafür, dass die Pflanze Augenkrankheiten zuverlässig behandelt, steht bisher noch aus.
Wann wird Euphrasia heute eingesetzt?
In Apotheken gibt es verschiedene Fertigpräparate mit Euphrasia. Dazu gehören unter anderem homöopathische oder anthroposophische Arzneimittel.
Die Präparate unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung, Herstellung und Konzentration. Deshalb sollten sie nicht einfach miteinander gleichgesetzt werden.
Euphrasia wird häufig bei leichten Beschwerden wie folgenden eingesetzt:
- gereizte oder gerötete Augen,
- verstärkter Tränenfluss,
- Brennen,
- Fremdkörpergefühl,
- gereizte Lidränder.
Wichtig ist jedoch immer die Ursache der Beschwerden. Ein rotes Auge kann zum Beispiel durch trockene Augen, eine Allergie, Viren, Bakterien, Kontaktlinsen, einen Fremdkörper oder eine Verletzung entstehen. Je nach Ursache ist eine völlig andere Behandlung notwendig.
Bei trockenen Augen kommen beispielsweise häufig Tränenersatzmittel infrage. Bei Allergien können antiallergische Augentropfen sinnvoll sein. Antibiotika helfen dagegen nur bei bestimmten bakteriellen Erkrankungen. – Wir in Ihrer Götz Apotheken beraten Sie gern kompetent und persönlich.
Warum gehört Augentrost-Tee nicht ins Auge?
Ein alter Hausmittel-Tipp lautet: Augentrost-Tee kochen, abkühlen lassen und damit die Augen spülen oder Kompressen herstellen. Davon ist aus pharmazeutischer Sicht abzuraten:
Ein frisch aufgebrühter Kräutertee ist nicht steril. Er kann Keime oder kleinste Pflanzenbestandteile enthalten. Diese können ein bereits gereiztes oder entzündetes Auge zusätzlich belasten.
Auch wenn der Tee sehr heiß aufgebrüht und anschließend gefiltert wurde, entsteht dadurch keine sterile Augenlösung. Gerade die Hornhaut und die Bindehaut reagieren empfindlich. Deshalb sollten Flüssigkeiten, die direkt ins Auge gegeben werden, besondere Anforderungen an Reinheit und Sterilität erfüllen.
Rote Augen bei Kontaktlinsen
Bei geröteten, gereizten oder entzündeten Augen sollten Kontaktlinsen zunächst herausgenommen werden. Bis die Beschwerden abgeklungen sind, ist eine Brille meist die bessere Wahl.
Kontaktlinsenträger sollten bei einem roten Auge besonders aufmerksam sein. In seltenen Fällen kann auch die Hornhaut betroffen sein. Eine Entzündung der Hornhaut wird als Keratitis bezeichnet und sollte ärztlich behandelt werden.
Ob Augentropfen zusammen mit Kontaktlinsen angewendet werden dürfen, hängt immer vom jeweiligen Produkt ab. Informationen dazu finden Sie in der Packungsbeilage. Auch Ihre Götz Apotheken kann Sie dazu kompetent beraten.
Wann zum Arzt?
Viele leichte Augenreizungen sind harmlos. Bestimmte Beschwerden sollten aber nicht auf eigene Faust behandelt werden.
Eine zeitnahe ärztliche oder augenärztliche Untersuchung ist vor allem wichtig bei:
- starken Augenschmerzen,
- plötzlich schlechterem Sehen,
- ausgeprägter Lichtempfindlichkeit,
- Verletzungen des Auges,
- Fremdkörpern,
- Verätzungen,
- starker Schwellung,
- deutlich eitrigem Sekret,
- rasch zunehmenden Beschwerden.
Auch Kontaktlinsenträger sollten ein neu aufgetretenes, schmerzhaft gerötetes Auge besser ärztlich abklären lassen.
Bei Säuglingen und kleinen Kindern ist ebenfalls besondere Vorsicht sinnvoll.
Alles Wichtige zum Augentrost kurz & knapp
Der Echte Augentrost ist eine traditionsreiche Heilpflanze, die seit Jahrhunderten bei gereizten, geröteten oder tränenden Augen verwendet wird.
Die Pflanze enthält verschiedene interessante Inhaltsstoffe. Laboruntersuchungen zeigen unter anderem entzündungshemmende, antioxidative und antimikrobielle Eigenschaften. Ein eindeutiger wissenschaftlicher Nachweis dafür, dass Augentrost Augenkrankheiten zuverlässig behandelt, fehlt jedoch bisher.
Besonders wichtig ist die sichere Anwendung. Selbst gekochter Augentrost-Tee sollte nicht ins Auge gegeben werden. Solche Zubereitungen sind nicht steril und können Keime oder Pflanzenbestandteile enthalten. Wer Euphrasia verwenden möchte, sollte deshalb ausschließlich Präparate nutzen, die ausdrücklich für die Anwendung am Auge vorgesehen sind.
Und: Nicht jedes rote Auge ist harmlos. Schmerzen, Sehverschlechterung, starke Lichtempfindlichkeit, Verletzungen oder Beschwerden bei Kontaktlinsenträgern sollten ärztlich abgeklärt werden.
Sie sind unsicher, welches Augenpräparat zu Ihren Beschwerden passt? Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach. Dort erhalten Sie Unterstützung bei der Auswahl und Anwendung und erfahren auch, wann ein Arztbesuch sinnvoll ist.
FAQ: Häufige Fragen zu Augentrost
Hilft Augentrost bei einer Bindehautentzündung?
Augentrost wird traditionell bei gereizten und entzündeten Augen eingesetzt. Ein eindeutiger wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis bei einer Bindehautentzündung fehlt jedoch.
Außerdem kann eine Bindehautentzündung sehr unterschiedliche Ursachen haben, zum Beispiel Viren, Bakterien oder Allergien. Bei stärkeren, eitrigen oder länger anhaltenden Beschwerden sollte deshalb die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
Darf ich Augentrost-Tee für die Augen verwenden?
Nein. Selbst hergestellter Augentrost-Tee ist nicht steril und sollte deshalb nicht direkt ins Auge gegeben werden. Er kann Keime oder kleine Pflanzenpartikel enthalten. Verwenden Sie am Auge nur sterile Fertigpräparate, die ausdrücklich dafür vorgesehen sind.
Was ist der Unterschied zwischen Augentrost und Euphrasia?
Euphrasia ist der botanische Name der Pflanzengattung Augentrost. Der Echte Augentrost trägt den Namen Euphrasia officinalis. Auf Arzneimitteln und anderen Produkten wird deshalb häufig der Begriff Euphrasia verwendet.
Kann Augentrost bei trockenen Augen helfen?
Augentrost wird traditionell bei gereizten Augen verwendet. Ein sicherer wissenschaftlicher Nachweis speziell bei trockenen Augen fehlt jedoch. Bei trockenen Augen werden häufig Tränenersatzmittel eingesetzt. Welche Augentropfen geeignet sind, hängt unter anderem davon ab, welche Ursache hinter den Beschwerden steckt.
Wann sollte ich mit einem roten Auge zum Augenarzt?
Bei starken Schmerzen, einer Sehverschlechterung, starker Lichtempfindlichkeit, Verletzungen, Fremdkörpern, ausgeprägter Schwellung oder eitrigem Sekret sollten Sie das Auge zeitnah ärztlich untersuchen lassen. Auch Kontaktlinsenträger sollten bei einem schmerzhaft geröteten Auge vorsichtig sein und frühzeitig ärztlichen Rat suchen.
Für das Auge gilt: lieber steril als selbst gemacht
Verwenden Sie ausschließlich Fertigpräparate, die ausdrücklich für die Anwendung am Auge vorgesehen sind. Achten Sie beim Eintropfen außerdem darauf, dass die Spitze des Fläschchens weder das Auge noch die Wimpern oder die Finger berührt. Dadurch verhindern Sie, dass Keime in das Behältnis gelangen.
Einzeldosisbehältnisse sollten immer entsprechend den Angaben in der Packungsbeilage verwendet und nicht unnötig lange aufbewahrt werden.
Verfasst und geprüft von der APOVENA Fachredaktion in Zusammenarbeit mit der Götz Apotheken in Petershausen . Stand 09/2026. Dieser Artikel ersetzt keine Beratung in einer Arztpraxis oder Apotheke.
Für eine persönliche Beratung kommen Sie einfach bei uns in der Götz Apotheken in Petershausen vorbei. Wir freuen uns auf Ihren Besuch und helfen Ihnen gerne weiter.
Robert Götz,